St. Mauritius Kirche Wiesentheid

St. Mauritius Kirche Wiesentheid

Die Pfarrkirche St. Mauritius ist eines der Wahrzeichen des unterfränkischen Marktes Wiesentheid und wurde erstmals im Jahre 1464 erwähnt. Unter der Gegenreformation kam es zu einem Kirchenneubau der ursprünglich evangelischen Kirche, der von Baumeister Antonio Petrini errichtet wurde. Graf Rudolf Franz Erwein von Schönborn plante 1726 einen erneuten Umbau und ließ den Baumeister Balthasar Neumann Pläne anfertigen. Diese sahen eine Vergrößerung des Gebäudes vor. 1732 wurde die Kirche dann endlich nach weiteren Umbauten eingeweiht. Die Wirkung der St. Mauritius Kirche wird innen stark von den Decken- und Wandfresken geprägt welche von Giovanni Francesco Marchini von 1728–1730 geschaffen wurden.

Sich für solch ein Projekt zur Lichtplanung und Umsetzung bewerben zu können ist eine sehr schöne Aufgabe. Auf den ersten Bildern war eine klassische Barock-Kirche zu sehen, mit vielen Säulen / Simsen / Vor- und Rücksprüngen in der reichhaltigen Architektur und typisch barocken Formensprache. Als wirkliche Herausforderung stellte sich bei der ersten Ortsbesichtigung die Freskomalerei heraus, es war perfekte Illusionsmalerei mit unglaublicher Raumtiefe wenn man am Fluchtpunkt steht. Der Kirchenraum an für sich ist ein einfacher rechteckiger Raum (LBH 24,2m x 12,8m x 14,8m) mit flachen Wänden und nur einer Hohlkehle im Übergang zwischen Wand zur Decke. Nur die Säulen sind als einfache Lisene in den Wänden leicht erhaben, aber sonst absolut keine Stuckarbeiten, keine Simse - keine Kapitelle - keine Obergarden - keine Kuppel - NUR perfekte Illusionsmalerei!

Ein Verstecken der Lichttechnik war in dieser gemalten Barockarchitekur nicht möglich, man hätte hier nur Strahler malen müssen. Unsere Lösung war moderne, schlicht gehaltene 6m große Stelen mit bis zu 8 technischen Strahlerköpfen an den Rändern des Raumes aufzustellen. Dieses einzige sichtbare Element der Beleuchtungstechnik zeigt klar seine Funktionalität, technisch - modern und so filigran als möglich.

Das Thema der Lichtstelen wurde in einer kürzeren 3,5m hohen Version noch im Chorraum und den Nebenräumen aufgenommen, immer dort wo die Blickachsen zuletzt hinlaufen und immer mit gebührendem Abstand zur historischen Bausubstanz. Die bis zu 8 Leuchtenköpfe (ø100mm L 70mm) bestückt mit Soraa-LightEngines ø95mm (9° spots mit snap-Aufsatzoptiken / ca. 1000lm / 18W / Lichtfarbe 940 und 940) sind an OMI-Kugelgelenken bzw. Drehkippgelenken sehr flexibel ausrichtbar und je ein Strahlerpaar lässt sich über die integrierten 2x4 Kanal DALI-Treiber ansteuern.

Mit den insgesamt 6 hohen und 10 kleineren Lichtstelen wurde die gesamte Inszenierung der liturgischen Orte im Chorraum sowie die Grundbeleuchtung im Langhaus umgesetzt, die Wege und wichtige Orte wie den Taufstein inszeniert.

Das gesamte aufwändige Deckengewölbe im Langhaus und Chorraum sowie die gesamte Inszenierung des Hochaltars und der Seitenaltäre nebst Beleuchtung wichtiger Figurengruppen, wurde ausschließlich von fast unsichtbar montierten Leuchten-Gruppen umgesetzt bei welchen wir mit unseren SphereLight LED-Strahlern dank ausgeklügelter Kühltechnik bei nur geringster Einbautiefe einen Schwenkbereich von ±45° haben und dies 360° drehbar! Diese wiederum mit Soraa-LightEngines ø50mm bestückt (10° spots mit snap-Aufsatzoptiken / ca. 500lm / 8,5W / Lichtfarbe 930 und 940) und paarweise individuell DALI-dimmbar.

Die Beleuchtung der Deckenfresken wurde überwiegend aus den Fensternischen heraus vorgenommen, hier wurden die SphereLight LED-Köpfe in einem Sondergehäuse integriert welches zugleich als Verblendung der Schwitz- und Tropfwasserrinnen dient. Im Chrorraum wo zu wenig Fenster vorhanden waren wurden die SphereLight-Köpfe auf filigranen Kühlkörpern fast unsichtbar hinter dem Schnitzwerk der Oratorien versteckt. Für die Beleuchtung des Hochaltars und wichtiger Figurengruppen wie zB. der Pieta von Georg Sonnleitner wurden die SphereLight-Köpfe auf maßgefertigten Trägerplatten montiert welche passgenau in die Zwischenräume der geschnitzten Balkonbrüstungen passten. Die hierdurch mögliche vertiefte Anordnung der Strahlergruppen machte diese fast unsichtbar.

Insgesamt wurden über 300 einzeln ausrichtbare und mit individueller Optik bestückte LED-Strahler verbaut, insgesamt 175 DALI-Adressen vergeben und die Lichtsteuerung in 48 Beleuchtungsgruppen gegliedert. Die Anzahl mag im ersten Moment vollkommen überzogen erscheinen, aber wenn man sich alleine nur wenige Stunden mit der Vielfalt der Bildthemen im Deckenfresko auseinandersetzt, merkt man wie groß die Herausforderung ist dies mit Licht nachzuzeichnen.

Ein besonders spannendes Thema in diesem Projekt war außerdem die Entwicklung der Lichttechnik über den 7-jährigen Planungszeitraum. Auch wenn schon zu Beginn des Projektes LED-Technik zur Verfügung stand und wir auch schon intensiv damit gearbeitet haben, so war deren Qualität und Licht-Leistung und auch die Kosten für uns in diesem Projekt damals unbefriedigend. Die erste Planungsrunde 2010-2011 basierte deshalb noch auf NV-Halogen-Strahlern mit QR111. Nur bei der Inszenierung der Deckenfresken wäre LED-Technik wegen der Lichtfarbe 840 eine Option gewesen.

Da das Projekt aber wegen unerwarteter Verzögerungen (der gesamte Dachstuhl musste noch zusätzlich erneuert werden) erst Ende 2015 wieder weiter bearbeitet werden konnte, hatten wir aufgrund der Verbesserungen in der LED-Technik den Vorschlag gemacht die vorhandene Ausführungsplanung nochmals auf Basis LED-Technik zu untersuchen, mit einer differenzierten Kosten- Nutzen Analyse (Schwerpunkt Lichtqualität).

Schon bei der ersten kleinen Beleuchtungsprobe Ende 2016 in einem fertig renovierten Teilbereich des Chors konnte eindrucksvoll demonstrieren welches Potential in hochwertiger LED-Technik steckt. Besonders überzeugend für uns und auch die Architekten und Denkmalpfleger war die Wirkung der Vollspektrum-LEDs auf dem Hochaltar und den Deckenfresken. Ausgehend von Soraa-Light-Engines 9°-snap mit Lichtfarbe 930 und 940 wurden die Einzelspots je nach Wirkungsort mit den vielfältigen snap-Optikaufsätzen bestückt (25° / 36° / elliptisch / uvm.) und teilweise noch mit Color-Shifter Aufsätzen die Lichtfarbe in einem Bereich von 4000K - 2400K fein eingestellt. Hierdurch kamen die verarbeiteten Oberflächen und Materialien und Farben in einer Form zur Geltung wie Sie so bisher nicht Möglich war.

Alleine in der Tabernakeltür, von Johann Georg Neßtfell geschaffen finden sich Intarsienarbeiten aus Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt, Zinn und mehreren Holzsorten. Die Heiligen-Figuren in der neue zurückgewonnenen Farbpracht mit kühlen blauen bis warmen roten Farbnuancen in den Gewändern, kühler Stuckmarmor und warmes Nussbaumholz, kühles Silber und warm glänzendes Blattgold. Und neben der neu herausgearbeiteten „Materialehrlichkeit“ wurde mit bedacht die Lichtmenge, Lichtfarbe und die Anstrahlwinkel ausgewählt.

Gleiches gilt für das wunderbare Deckenfresko. Neben der durch perfekte Illusionsmalerei geschaffenen zusätzlichen Raumdimension finden sich mehrere Architekturebenen, - vom perfekt gestalteten Übergang der Kirchenwände in ein umlaufendes Fries mit Gesims folgt eine luftige Reihe an Obergarden über denen sich dann im Chorraum der offene Himmel mit der Dreifaltigkeit auftut, bzw. im Langhaus eine Kuppel über den Raum wölbt welche den Eindruck mindestens doppelter Raumhöhe vermittelt.


​•   98 Stk. SoraaSpots auf 6 Lichtstelen 6m und 10 mit 3,5m
​• 210 Stk. SphereLIGHTs integriert in Sonderkonstruktionen
​•     4 m LEDlinie kor#01-Optik integriert in Türelemente
•   div. kleinere Sonderkonstruktionen

Projektdaten

Kath. Kirchenstiftung “St.Mauritius” Wiesentheid 

 Balthasar-Neumann-Straße, Wiesentheid: map

Planungszeitraum: Herbst 2009 - Okt. 2017
Projektausführung: Nov. 16 - Okt. 17

Lichtplanung mit umfangreichen Beleuchtungsproben
Vorgaben Schalt-Dimmkreise - Lichtsteuerung
Lichteinrichtung und Szenensteuerung
Sonderleuchtenentwicklung und Herstellung
Montageeinweisung vor Ort

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LICHT 05/2018

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